Schwäbisch Gmünd macht das Leben von Kindern bunter

Vier Jungen rutschen gemeinsam eine Rutsche herunter

Modellkommune Schwäbisch Gmünd

Schwäbisch Gmünd, August 2021

Die Inklusionsmacher*innen in Schwäbisch Gmünd haben benachteiligte Kinder und Jugendliche als eine ihrer Zielgruppen definiert. Für sie gibt es im Sommer viele Angebote außerhalb der Schule: unter anderem das Plauderstündchen und das Sportprogramm „Jugend in Bewegung“.

Beim Plauderstündchen treffen sich einmal wöchentlich junge Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Sie kommen aus Guinea, Afghanistan und der Türkei und sind gerade dabei, Deutsch zu lernen.

Deutsch üben in der Eisdiele, im Café und im Kino

Während der Plauderstündchen üben sie das Sprechen und lernen dabei andere junge Leute kennen. Lena Haas-Möldner von der Jugendhilfe-Einrichtung Canisius-Haus organisiert die Plauderstündchen. „Mal gehen wir gemeinsam Eis essen, besuchen Cafés oder sitzen im Gmünder Stadtgarten. Inzwischen haben wir auch einen Kinofilm besucht. Die Mädchen hatten erzählt, dass sie in Deutschland noch nie in einem Kino waren. Aktuell besteht die Plauder-Gruppe nur aus Frauen“, sagt sie.

Während des harten Lockdowns im vergangenen Herbst und Winter fehlte gerade denen, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen, der Austausch mit anderen Menschen in der neuen Sprache. Sie konnten Deutsch nicht in alltäglichen Situationen üben. In dieser Zeit starteten die Plauderstündchen. Da fanden sie noch online statt. Ob online oder live – bei den Plauderstündchen geht es locker und ungezwungen zu. Bei den Teilnehmerinnen kommen sie gut an.

Trotzdem hat Lena Haas-Möldner einen Wunsch: „Es wäre toll, wenn künftig mehr junge Muttersprachlerinnen und Muttersprachler regelmäßig dabei wären und die Gruppe wüchse. Seitdem wir uns live treffen, hat das schon ein paar Mal geklappt. Die Treffen waren richtig gut! Es ist nur nicht ganz einfach, Jugendliche ohne Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung dauerhaft für das Format zu gewinnen.“

Kinder in Schwäbisch Gmünd machen gemeinsam Sport

Neben dem Plauderstündchen begleitet Lena Haas-Möldner seit Juni 2021 auch das Projekt „Jugend in Bewegung“: Ein Kursprogramm, bei dem alle Kinder und Jugendlichen in Schwäbisch Gmünd mitmachen können. Es ist vor allem für diejenigen gedacht, die normalerweise keinen regelmäßigen Sport machen. Dafür haben die Kinder und Jugendlichen unterschiedliche Gründe: Manche kennen die lokalen Sportangebote nicht oder wissen nicht, wo sie stattfinden.

Manche Eltern haben nicht genug Geld, um einen Sportkurs zu bezahlen. Und manchmal haben auch die Kinder Angst, ihre Eltern darum zu bitten, bei einem Sport mitzumachen. Zum Beispiel weil sie denken, dass die Ausrüstung zu teuer ist. Damit also wirklich alle jungen Menschen in Schwäbisch Gmünd teilnehmen können, ist „Jugend in Bewegung“ kostenlos.

Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, mit und ohne Behinderung machen einen Sparziergang. Ein Mann sitzt im Rollstuhl

Selbstverteidigung, Parkour und Bogenschießen

Das Konzept des Bewegungsprogramms: Ein Jahr lang gibt es im Canisius-Haus einmal monatlich zusammen mit verschiedenen Trainer*innen einen Kurs. Im Sommer haben ein Selbstverteidigungs-Kurs für alle und einer ausschließlich für Mädchen und junge Frauen stattgefunden. In einem inklusiven Parkour-Kurs sind die Kinder und Jugendlichen über Hindernisse gesprungen und geklettert. Auch junge Rolli-Fahrer*innen haben mitgemacht: Sie sind um Hütchen herumgefahren, haben Bälle aus der Fahrt in eine Kiste geworfen oder mit einem Hockeyschläger einen Ball in ein kleines Tor geschossen.

Im September kommt ein Bogenschießen-Kurs. „Die Plätze sind jetzt schon voll“, sagt Lena Haas-Möldner. „Unser Parkour-Nachmittag fand bei uns im Canisius-Haus auf dem Hof und in zwei benachbarten Sporthallen statt. Eine Woche später standen wieder Kinder auf dem Hof. Sie hatten gedacht, es würde jetzt jeden Freitag ein Training geben. Uns macht es sehr glücklich, dass das Programm so gut ankommt.“

Junge Menschen bewegen sich und begegnen sich

Bei „Jugend in Bewegung“ geht es auch darum, dass die jungen Menschen einandern kennenlernen, sich auszutauschen und gemeinsam Spaß haben. Egal wie unterschiedlich sie sind. Den Selbstverteidigungs-Kurs für Mädchen haben Kinder aus Wohngruppen, Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung sowie Geflüchtete besucht. Das sind genau die Kinder und Jugendlichen, die Kommune Inklusiv Schwäbisch Gmünd erreichen möchte.

Lena Haas-Möldner wagt einen Blick auf die nächsten Monate: „Nach den Sommerferien in Baden-Württemberg schauen wir, ob die Corona-Pandemie uns weiter planen lässt und ob die Termine im Winter wie angedacht stattfinden können. Im Oktober stünde wieder Selbstverteidigung auf dem Programm, im November Parkour. Es kommen auch schon Ideen von den Kindern und Jugendlichen, beispielsweise ein Tanznachmittag. Um diese Ideen kümmern wir uns im nächsten Jahr.“