Engagieren und diskutieren - Aufklärung
Auftrag Aufklärung
Veränderungen beginnen im Kopf. Mit ihren Aufklärungsprojekten regt die Aktion Mensch Diskussionen an, bringt Entwicklungen in Gang und ruft konkret zum Handeln auf. Aufklärung gehört deshalb zu den Satzungszielen der Soziallotterie. 2009 hat die Aktion Mensch rund zwölf Millionen Euro für Projekte zur Verfügung gestellt, die alle eines gemeinsam haben: Sie sensibilisieren für gesellschaftliche Missstände und aktivieren Menschen, sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Zum Beispiel, indem sie Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements vorstellen. Oder die Vernetzung gesellschaftlicher Akteure fördern.
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Alter: 59 Jahre
Wohnort: HalleMenschen beim Sprechen zu helfen - das ist Christas Beruf. Mit Stoffpuppen unterstützt sie Kinder dabei, die richtigen Wörter und Sätze zu bilden. Christa kennt Sprachbarrieren und weiß, wie sie sich überwinden lassen. Dafür engagiert sie sich in verschiedenen Vereinen und Forschungsprojekten.
Hürden abzubauen ist der Professorin für Sprachbehindertenpädagogik auch als Mitglied im Beirat des Biene-Wettbewerbs ein Anliegen. Das Aufklärungsprojekt der Aktion Mensch hat das Ziel, das Internet barrierefrei zu machen - unter anderem durch einfache Sprache. Für Christa ist das eine weitere Gelegenheit, die Kommunikation zwischen Menschen zu verbessern.
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Alter: 23 Jahre
Wohnort: KölnExakt den richtigen Punkt zu treffen ist ihr nicht nur bei ihrem Hobby Karate wichtig: Karen macht neben ihrem Studium eine Ausbildung an der Kölner Journalistenschule. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, immer den Kern der Sache zu beschreiben.
Deshalb arbeitet sie auch für die Gesellschafter-Zeitung der Aktion Mensch. Als Reporterin schreibt Karen dort über zukunftsweisende Projekte, die ehrenamtliches Engagement vorstellen. Schließlich geht es ihr darum, Themen aufzugreifen, die unsere Gesellschaft betreffen - und sie vielleicht ein wenig verändern.
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Alter: 8, 12 und 11 Jahre
Wohnort: Kleinmachnow/BerlinLenian, Leana und Philine sind X&Co.-Agenten. Sie lösen regelmäßig Aufgaben des Entdecker-Netzwerks der Aktion Mensch. Dabei geht es etwa darum, aufzumalen, wie ihre Sternzeichen am Himmel aussehen. Oder herauszufinden, warum es im Sommer warm und im Winter kalt ist.
Die drei haben viel Spaß daran, den Dingen gemeinsam auf den Grund zu gehen. Und auch ihre Eltern finden das Entdecker-Netzwerk prima. Denn die Kinder verbringen mit den Aufgaben nicht nur spannende Nachmittage, sondern lernen auch eine ganze Menge dabei.
Viele Aktionen, ein Ziel
Die Aktion Mensch engagiert sich für einen offenen Dialog
Menschen mit und ohne Behinderungen treffen, gesellschaftliche Probleme diskutieren und sich dafür einsetzen, das alltägliche Leben einfacher zu gestalten: Dafür gibt es beispielsweise den 5. Mai oder das bundesweite Filmfestival der Aktion Mensch. Wie diese Initiativen in der Praxis aussehen, zeigen zwei Beispiele aus Hamburg.
"Teilhabe jetzt - Eine Gesellschaft für alle" - dieses Motto hat die Aktion Mensch 2009 für den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von behinderten Menschen am 5. Mai gewählt. Was sich kompliziert anhört, ist eigentlich ganz einfach: "Letztlich geht es darum, behinderte und nicht behinderte Menschen dazu zu motivieren, gemeinsame Sache zu machen", erzählt Marie Teske vom Forum Integration. Die Mitglieder der Gruppe treffen sich regelmäßig im Gemeinschaftsraum des Wohnprojekts "An der Feldmark". Das ist eine Straße im Hamburger Stadtteil Eidelstedt, in der zwölf Wohnungen an Menschen mit Einschränkungen vermietet sind - und die Gruppe um Marie Teske setzt sich dafür ein, das Zusammenleben zu gestalten. Deshalb war die Lehrerin begeistert, als sie im Magazin der Aktion Mensch einen Beitrag über den 5. Mai las: Die Organisation hatte darin Vereine und Initiativen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe aufgerufen, sich mit eigenen Ideen und Veranstaltungen an dem Protesttag zu beteiligen. Die Aktion Mensch unterstützt die Teilnehmer dabei unter anderem mit Plakaten, Postkarten, Presseinformationen und Vorschlägen für Aktionen.
Mit einer Hand Brot schmieren
"Das Material der Aktion Mensch war prima, um auf den Tag aufmerksam zu machen", berichtet Marie Teske. Gemeinsam mit Nachbarn hat sie den 5. Mai mehr als zwei Monate lang vorbereitet. Mit Erfolg: Rund 300 Menschen haben an der Feldmark vorbeigeschaut. Die Gruppe hatte einen Parcours aufgebaut. Dort konnten die Besucher ausprobieren, wie es sich anfühlt, mit nur einer Hand ein Brot zu schmieren. Oder was es bedeutet, mit verbundenen Augen Hindernisse zu umgehen. "2010 haben wir eine ähnliche Aktion vor", erzählt Teske. "Nur, dass wir uns diesmal in und um das Eidelstedter Bürgerhaus treffen, um noch mehr Menschen im gesamten Stadtteil zu erreichen." Der Parcours soll dann drinnen aufgebaut werden, während draußen Bands für Stimmung sorgen. Schon jetzt treffen sich die Beteiligten regelmäßig, um die Veranstaltungen zu planen. Außerdem gibt es alle zwei Monate ein offenes Plenum, an dem jeder Bürger teilnehmen kann.
Am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, finden in der gesamten Bundesrepublik Aktionen statt. Das Foto ist 2009 in Bielefeld entstanden.
Engagieren und diskutieren
"In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?"
Mit dieser Frage ruft die Aktion Mensch die Bundesbürger seit 2006 dazu auf, über die gemeinsame Zukunft zu diskutieren. Rund 3,4 Millionen Menschen haben seit dem Start des Projekts die Webseite besucht und sich an der Diskussion um eine gerechtere Gesellschaft beteiligt. Gleichzeitig geht es aber auch um ganz konkretes Engagement: Dafür gibt es beispielsweise die Freiwilligendatenbank im Internet, in der Nutzer Initiativen und Verbände finden, die ehrenamtliche Unterstützung benötigen.
Film ab
Zum Meinungsaustausch regt auch ein weiteres Projekt der Aktion Mensch an: das bundesweite Filmfestival. 2009 lief es unter dem Titel "ueber Macht". Der Verein hat dafür 13 Dokumentarfilme zusammengestellt, die sich mit Fragen der Macht, nötigen und unnötigen Regeln und Wegen zur Selbstbestimmung auseinandersetzen. "Ich fand den Film sehr spannend, in dem es um junge Frauen geht, die an einer Essstörung leiden", erzählt Doris Bandhold, die das Festival in Hamburg koordiniert hat. Ihre Aufgabe war es, lokale Partner zu gewinnen und mit ihnen das Rahmenprogramm zu organisieren. Zur Vorstellung des Films "Die dünnen Mädchen" kamen beispielsweise die Regisseurin und die Leiterin einer Klinik für Essstörungen in der Lüneburger Heide, wo der Film gedreht wurde.
Netzwerke bilden
"Die Organisation der Reihe hat Spaß gemacht, obwohl es viel Arbeit war", berichtet Doris Bandhold, die auch beruflich Filmprojekte betreut. Dank eines Vorbereitungstreffens der Aktion Mensch in Bonn habe sie sich gut auf ihre Aufgabe vorbereitet gefühlt. Zudem sei das Filmfestival bei den meisten Verbänden und Vereinen schon bekannt gewesen, sodass sie nicht lange erklären musste, worum es geht, sondern schnell Unterstützung bekommen hat. "Es gibt viele lokal engagierte Menschen, die sich für die gleiche Sache einsetzen - sich aber noch nie persönlich getroffen haben. Für sie ist das Festival eine tolle Plattform, um sich zu vernetzen." Durch die Gesprächsrunden nach den Vorführungen haben die Vereine außerdem die Möglichkeit, dem Publikum die eigene Arbeit vorzustellen.
Obwohl es um sehr spezielle Dokumentarfilme ging, kamen 2009 rund 95.000 Menschen in die bundesweiten Vorführungen. Doris Bandhold erklärt: "Es ist schön, wenn sich so viele Menschen für Themen interessieren, die unsere Gesellschaft bewegen. Die Besucher diskutieren miteinander, nehmen Anregungen mit nach Hause - und im besten Fall engagieren sie sich später selbst."
Hilfe für jeden Tag
"Der Familienratgeber ist das größte bundesweite Online-Angebot für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen. Wer schnell Beratung oder Hilfe benötigt, findet in der Adressdatenbank mehr als 20.000 Anlaufstellen. Damit diese stets aktuell sind, haben wir in ganz Deutschland Partner, die mit uns zusammenarbeiten, regionale Einträge pflegen und um neue Angebote ergänzen. Der Familienratgeber informiert die Betroffenen zu allen Themen, die sie bewegen: ob es um staatliche Fördermöglichkeiten, Unterstützung für die Pflege zu Hause oder rechtliche Fragen geht. Ziel des Projektes ist es, den Alltag für die Menschen einfacher zu machen."
Sandra Vukovic, Projektleiterin www.familienratgeber.de
Entdecken und einmischen
Kinder und Jugendliche lernen ihre Umwelt kennen
Den jüngsten Mitgliedern der Gesellschaft zur Seite stehen, ihre Wünsche und Anliegen ernst nehmen - darum geht es der Aktion Mensch mit ihren Aufklärungsprojekten für Kinder und Jugendliche: dem Entdecker-Netzwerk X&Co. und der Jugendcommunity respect.de.
Wie könnten Lebewesen eines anderen Planeten aussehen?
Was finden Menschen unterschiedlicher Herkunft an Deutschland gut oder schlecht? Welche Farben stecken in einem Sonnenstrahl? Fragen, denen die Agenten des Entdecker-Netzwerks X&Co. im vergangenen Jahr nachgegangen sind. Mitmachen können alle Kinder zwischen acht und 13 Jahren, die sich gemeinsam mit Freunden bei der X&Co.-Zentrale anmelden. Sie erhalten alle drei Monate zehn neue Aufträge - und lernen dabei, sich für andere einzusetzen und gemeinsam kreativ zu sein.
Farbe bekennen
Auch die Jugendcommunity unter www.respect.de wirbt für Anliegen der Aktion Mensch: So ermutigt sie beispielsweise Jugendliche, ihre Meinung zu gesellschaftlichen und politischen Fragen zu äußern. 2009 hat sie 50 Tage nach der Bundestagswahl einen Politikwettbewerb gestartet. Damit sind junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren aufgefordert, alleine oder im Team Plakate mit politischen Slogans zu gestalten. So kann es beispielsweise darum gehen, was sie von der Bundesregierung erwarten oder welche Vorstellungen sie von der Zukunft haben. Die fünf besten Vorschläge werden im Juni 2010 auf großen Plakatwänden in Berlin und unter www.respect.de/politikwettbewerb zu sehen sein.
"Wir müssen die UN-Konvention mit Leben füllen"
Ottmar Miles-Paul hält Aufklärung für eine wichtige Aufgabe
Herr Miles-Paul, welchen Bezug haben Sie zur Aktion Mensch?
Ottmar Miles-Paul: Die Aktion Mensch ist für mich schon seit mehr als 20 Jahren ein Thema. Zuerst war ich ein Gegner der Organisation, weil mir die frühere Bezeichnung "Aktion Sorgenkind" nicht gefallen hat. Doch dann begann mit der Namensänderung ein toller Veränderungsprozess und aus Feindschaft wurde Freundschaft. Inzwischen tausche ich mich seit gut zehn Jahren regelmäßig mit Vertretern der Aktion Mensch aus.
Wie bewerten Sie die Aufklärungsarbeit der Organisation?
Ottmar Miles-Paul: Sie ist ein wichtiger Anstoß zur Veränderung. Wir müssen die Menschen mehr aufklären, ob es um Themen wie das Behindertengleichstellungsgesetz oder die schulische Integration geht. Es ist entscheidend, dass die Bevölkerung weiß, was im Behindertenbereich überhaupt passiert.
Das betrifft das alltägliche Miteinander …
Ottmar Miles-Paul: Genau. Es ist wichtig, dass abstrakte Konstruktionen wie die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen verständlich werden. Das heißt, wir müssen sie mit Leben füllen. Beispielsweise indem wir den örtlichen Angelverein dabei unterstützen, den Angelplatz barrierefrei zu machen. Barrierefreie Wohnungen sind ebenfalls von zentraler Bedeutung, denn wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen mittendrin leben.
Was kann die Politik dafür tun und was ist Sache von privaten Organisationen?
Ottmar Miles-Paul: Die Politik muss ihre Hausaufgaben machen. Zurzeit geht es darum, konkrete Aktionspläne für die Umsetzung der UN-Konvention aufzustellen. Und Organisationen wie die Aktion Mensch können und sollten dabei ihren Einfluss nutzen, um Forderungen zu stellen, Impulse zu geben und die Entwicklungen voranzutreiben.
Haben Sie einen Wunsch an die Aktion Mensch?
Ottmar Miles-Paul: Ich wünsche mir, dass sie die Aufklärung weiter ausbaut. Als übergreifende Organisation hat sie die Möglichkeit, Verbände zusammenzuführen. Das ist beispielsweise bei der Gesellschafter-Initiative immer wieder geschehen. Diese Rolle als Verbinder, Koordinator und Vernetzer ist sehr wichtig.
Zu Ottmar Miles-Paul
Seit vielen Jahren setzt sich Ottmar Miles-Paul für die Selbstbestimmung, Gleichstellung und Teilhabe behinderter Menschen ein. Der Seh- und Hörbehinderte hat die "Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL)" als Geschäftsführer zu einem starken Verband aufgebaut. Seit 2008 ist er rheinland-pfälzischer Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen.


