Daniela Leimeister
Zupacken statt zugucken
„Ich mag ja lieber Kirsch oder Erdbeere“, sagt Daniela Leimeister, als eine Kundin im Edeka-Markt in Zapfendorf bei Bamberg nach Joghurt mit Ananasgeschmack fragt. Engagiert hilft die 23-Jährige mit dem braunen Haar der Kundin. Daniela arbeitet in dem Supermarkt und hat eine geistige Behinderung. Ihre Aufgaben erledigt sie dabei wie ihre Kollegen. Eine davon ist Gertrud Kothe (57). Sie ist Danielas Patin im Betrieb und hilft, wenn sie Fragen oder Probleme hat. „Daniela arbeitet eigenständig und genau, ist motiviert und sie berät die Kunden – genau wie die anderen Mitarbeiter. Und von den Kunden bemerkt niemand ihre Behinderung“, sagt Gertrud Kothe. „Und warum soll ich sie dann darauf hinweisen?“
Wie die Fotoaufnahmen entstanden
Barrierefrei: Dieser Beitrag ist mit Untertiteln und Audiodeskription versehen, damit er auch blinden und gehörlosen Menschen zugänglich ist. Denn auch hier gilt: Inklusion - Dabei sein! Von Anfang an.
“Ich helfe dort, wo ich gebraucht werde“
Viele Kunden meinen, dass Daniela ein neuer Lehrling sei, was an ihrer zierlichen Figur und ihrem jungen Aussehen liegt. Dabei arbeitet sie bereits seit mehr als drei Jahren in dem Supermarkt, hat dort zuvor ein Praktikum absolviert. So kennt sie die täglichen Abläufe. Sie sortiert Waren wie Chips, Hundefutter und Küchenrollen und räumt neue Milch in die Kühltheke. Dabei kontrolliert sie auch das Mindesthaltbarkeitsdatum und reduziert wenn nötig den Preis. „Mir macht die Arbeit hier Spaß. Ich helfe dort, wo ich gebraucht werde“, sagt sie. Und wenn sie ihre Arbeit erledigt hat, fragt sie ihren Chef, wie sie weiter helfen kann. Ganz einfach. Und selbstständig.
Den passenden Arbeitsplatz schaffen
Daniela arbeitet 35 Stunden in der Woche, darunter auch eine Abendschicht. Dabei wird sie unterstützt von Anette Hell. Sie ist Integrationsbegleiterin bei Integra Mensch, einer gemeindenahen Werkstatt der Lebenshilfe Bamberg. „Den perfekten Arbeitsplatz gibt es nicht. Wir richten unser Hauptaugenmerk auf die Fähigkeiten und Talente unserer Mitarbeiter und gestalten in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Fachpersonal den Arbeitsplatz passgenau für jeden einzelnen“, sagt die 47-Jährige Anette Hell. Was zähle sei der Wille. Und den hat Daniela. „Sie macht ihre Arbeit gut.“ Und wenn Daniela Probleme hat, hilft Anette Hell, spricht mit den Kollegen und bittet sie, Rücksicht auf Daniela zu nehmen. So lernen auch sie Daniela besser zu verstehen und sich sensibler zu verhalten.
Große Hilfe für viele Aufgaben
Danielas Beispiel belegt, wie gesellschaftliche Teilhabe über die Arbeit gelingt, wenn die Beteiligten nach individuellen Lösungen suchen. Und das hat nicht nur für Daniela Vorteile sondern auch für den Arbeitgeber. So meinen die Marktleiter Sebastian Rother (26) und Tim Petratschek (24): „Sie ist eine große Hilfe für die vielen kleinen Aufgaben im Markt. Und sie hat sich toll entwickelt, ist viel selbstbewusster.“ Anfangs sei Daniela schüchtern gewesen, habe kaum mit den Kunden geredet. Wer heute hört, wie die Worte aus ihr sprudeln, wie sie mit Stammkunden plaudert und ‚Grüß Gott' ruft, glaubt diese Schilderung kaum. Auch die Pausen mit den Kollegen sind selbstverständlich für sie. „Wir frühstücken gemeinsam“, sagt sie. Dann schnappt sich Daniela einen Karton mit Joghurt und räumt die Becher ins Kühlregal. Wer in der Nähe steht, bekommt nicht nur vom Zugucken kalte Hände und Füße. Sie sagt mit einem Lächeln: „Das macht mir nichts.“
Zur Person:
Daniela Leimeister ist 23 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und zwei Schwestern in Zapfendorf bei Bamberg. Sie hat eine geistige Behinderung und arbeitet seit drei Jahren im Supermarkt. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Theater.



